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... erklärt Ihnen Iris Wolf, die Koordinatorin unserer Expertenriege:

Die Liebe zur Literatur ist einmalig! Jeder Leser hat sein ganz eigenes Verhältnis zu seinen Lieblingsbüchern. Immer wieder erlebt man im Gespräch, dass beim Versuch, die Begeisterung für einzelne Textstellen mit vermeintlich Gleichgesinnten zu teilen, der andere verstummt, weil er die vorgetragene Deutung nun gerade nicht teilen kann. Überrascht lehnt man sich zurück, und wundert sich, ob der vermeintlichen Beschränktheit oder Uneinsichtigkeit des Anderen. Wer kann nicht von solchen Erlebnissen berichten?
 

Wie kann da nun die Schule Standards und Kompetenzen als Messlatten für den guten Literaturunterricht schaffen? Wird dadurch nicht geradezu jede eigene Sicht bei der Lektüre abgetötet? Das Lesen von Gebrauchsanweisungen für Produkte scheint mit standardisierten Lesetechniken machbar, aber auch die Lektüre unserer Klassiker?

Bereits diese wenigen Gedanken machen deutlich, in welchem Spannungsbogen sich der moderne Deutschunterricht befindet. Die Schulverwaltungen der Bundesländer sahen sich genötigt, die Qualität des Unterrichts anzuheben und haben als Hebel die einheitliche Kontrolle der Lernergebnisse gefunden. Durch den Vergleich der Lernergebnisse aller Schüler in Deutschland soll gewährleistet werden, dass die Lehrer guten Unterricht anbieten. Wie der einzelne Lehrer sein Ziel erreicht, bleibt ihm weitgehend allein überlassen.

 

Um die Anforderungen transparent zu halten, verfassen die einzelnen Schulministerien der Bundesländer Richtlinien für die Schulfächer. In diesen Richtlinien werden unterschiedliche Kompetenzen aufgelistet, die beschreiben, über welche Fähigkeiten und Fertigkeiten die Schüler verfügen sollen, um Problemlösungen in unterschiedlichen Situationen erfolgreich lösen zu können.

 

Bei den Fachwissenschaftlern und auch bei den Deutschlehrern ist eine heftige Diskussion darüber entstanden, ob es überhaupt möglich ist, Kompetenzen klar, unmissverständlich, vergleichbar und überprüfbar zu beschreiben. Wie das Ergebnis dieser Diskussion aussehen wird, ist derzeit offen. Trotzdem erwarten die Schulverwaltungen von ihren Lehrern bereits heute eine professionelle Arbeit mit Kompetenzen.

 

Aus diesem Grund sind viele Unterrichtsmodelle des Carlsen Verlages „kompetenz-orientiert“. Bei der Erarbeitung haben sich die Autorinnen und Autoren Gedanken darüber gemacht, welche Kompetenzen der Bildungspläne dem Text angemessen sind, und ob ein textorientierter oder ein handlungsorientierter Ablauf sinnvoller ist. Im Laufe dieser Arbeit ist ein Schatz unterschiedlicher Modelle entstanden: Von der Vor- und Grundschule (Beispiel: Ich hab einen Freund, der ist Polizist) bis hin zu All-Age-Titeln (BIS(S) zum Morgengrauen).

 

Damit können Lehrer spannende und aktuelle Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht leicht einsetzen. Für die Grundschule stehen beispielsweise bereit:

 

  • Sprachspielerisches (Rösti und Bö)
  • Umwelt und Mathematik (365 Pinguine)
  • Berufskunde (Ich hab einen Freund, der ist Polizist / Bäcker / Feuerwehrmann ...)
  • Heimische Fauna und Flora (Mein erstes Wiesenblumenbuch, Unsere Tiere)
  • Sagen (Das sagenhafte Schwert)

In den weiterführenden Schulen stehen eher die ernsten Themen im Mittelpunkt:

 

  • Mobbing und Gewalt (Der Klassenking, Geschichten voller Wucht, Und wenn ich zurückhaue)
  • Geschichte (Der Klassenfeind und ich, Die Hexenkinder von Seulberg, Auf der Suche nach dem Blau, So lebe ich jetzt)
  • Holocaust und Nationalsozialismus (Einmal)
  • Magersucht (Nichts leichter als das)
  • Teenagerschwangerschaft (Engel und Joe)
  • Drogen (Wie im Rausch, Wir Kinder vom Bahnhof Zoo)

 

Aber auch Krimis und Unterhaltung wie bei Biss, Beschützer der Diebe und Harry Potter und der Stein der Weisen sind vorhanden. Die Unterrichtsmodelle wurden von ausgewiesenen Praktikern geschrieben. Einige arbeiten in Grund- oder weiterführenden Schulen, andere in der außerschulischen Kinder- und Jugendbildung. Auch wenn es nicht möglich war, jedes Unterrichtsmodell ganz auszuprobieren, ist so sichergestellt, dass die Aufgaben lösbar und angemessen sind. Jedes Unterrichtsmodell enthält Aufgaben unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades, so dass eine Differenzierung in der Gruppe möglich ist.

 

Wir sind sicher: Mit diesen Kinder- und Jugendbüchern entwickeln Kinder leicht ihre Kompetenzen in der Literatur wie im „richtigen Leben“. Und darauf kommt es an! Gute Unterrichtsstunden wünschen

 

Iris Wolf und Axel Beyer

Iris Wolf lebt als Pädagogin und Verlegerin in Hamburg. Ihr Arbeitsfeld ist die Leseförderung. Axel Beyer ist Leiter der Modernen Schule Hamburg und berät in Bildungsfragen.

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